Name:
Email:
Abonnieren Sie hier unser kostenloses «Rundmail», in dem wir Sie wöchentlich über unsere aktuellen Veranstaltungen informieren. Ausserdem finden Sie dort Psi-News und Fernsehtipps.
Hier finden Sie Rückmeldungen zu unserem Newsletter



Basler Psi-Verein
Neuweilerstrasse 15
CH-4054 Basel
Tel: 0041 61 383 97 20
Email: info@bpv.ch





Loading









 

Angaangaq der Schamane aus Grönland - Schmelzt das Eis in Euren Herzen!
Text und Fotos von Dr. Christoph Quarch

Immer wenn ich von meinen Reisen quer durch die Welt zurückkehrte, lud unsere Mutter Aanaa Aanaqqii alle Ältesten ein, die sie kannte. Ich sollte ihnen von diesen Reisen erzählen. So hielten es mein Vater und meine Mutter seit dem Jahr 1975. Für sie beide war es sehr wichtig, dass die Ältesten wussten, was ich in meiner Welt erlebte. Nachdem unser Vater Aataa Aataqqii die irdische Welt verlassen hatte, setzte meine Mutter diese Tradition fort. Sie lud die Ältesten in ihr Haus. Eines Tages im Jahr 1978 kam ich wieder einmal von einer Reise mit Vorträgen, Diskussionen und Sitzungen zurück. Ich hatte vor den Menschen der westlichen Welt – unter anderem vor den Vereinten Nationen – davon gesprochen, dass das Grosse Eis in Grönland schmilzt, und die Menschen hatten mir Applaus gespendet. Ich war stolz. Und voller Eifer kehrte ich nun heim und erzählte den Ältesten, was für eine bedeutende Rede ich gehalten hatte. Die Ältesten erwiderten: «Haben sie dich gehört, mein Sohn?» Da begriff ich, dass ich vor lauter Stolz gar nicht darüber nachgedacht hatte, ob die Menschen, die dort sassen, meine Worte wirklich gehört hatten. Und je mehr ich redete und reiste, desto bedrückter fühlte ich mich. Ich sprach und sprach, doch ich spürte immer stärker, dass ich die Menschen nicht erreichte. Ich erinnere mich sehr gut daran, dass ich meine Mutter aufsuchte und ihr sagte, ich hätte den Eindruck, nichts würde sich ändern. Jedes Mal, wenn ich sprach, applaudierten die Menschen. Sie stimmten mir zu und nickten freundlich. Aber nichts geschah. Also fragte ich meine Mutter, was ich tun solle. Wir waren in ihrem Wohnzimmer. Sie sass auf einem Stuhl, der unserem Vater gehört hatte. Er war zu ihrem Lieblingsstuhl geworden. Sie stand auf. Ich tat es ihr nach. Sie nahm meine beiden Hände und schaute zu mir auf, denn ich war um einiges grösser als sie. Dann lächelte sie ihr bezauberndes Lächeln. Sie schloss ihre Augen, und ich tat es ihr nach. Da sagte sie: «Sohn, du weisst, dass du andere Wege beschreiten wirst.» Ich erinnere mich, dass ich lebhaft «Ja» sagte. Wir blieben so stehen. Wir hielten unsere Hände und schauten uns mit geschlossenen Augen an. Und sie sagte zu mir: «Mein Sohn, Du weisst, dass du andere Wege beschreiten wirst. Du wirst ausziehen, um das Eis in den Herzen der Menschen zu schmelzen. Nur indem wir das Eis in den Herzen des Menschen schmelzen, hat der Mensch die Chance, sich zu ändern und sein Wissen weise anzuwenden.» Dann schwieg sie.


Ich glaubte, sie sei fertig. Ich öffnete meine Augen und schaute sie an. Da öffnete auch sie ihre Augen. Sie lächelte ihr bezauberndesLächeln. Ich sagte: «Ja. Aber wie mache ich das?» Erneut schloss sie ihre Augen. Das bezaubernde Lächeln spielte weiter auf ihren Lippen. Auch ich schloss meine Augen. Da sagte sie noch einmal: «Sohn, Du musst lernen, das Eis in den Herzen der Menschen zu schmelzen! Nur indem wir das Eis in denHerzen des Menschen schmelzen, hat der Mensch die Chance, sich zu ändern und sein Wissen weise anzuwenden.» Dabei drückte sie sanft meine Hände. Und als ich meine Augen erneut öffnete, da schaute ich meine Mutter an und sah ihr ganz besonders zauberhaftes Lächeln. Und bevor ich nur ein Wort sagen konnte, drehte sie sich um und ging in ihre geliebte Küche.



Ich stand da und bedachte die Anweisung, die ich gerade empfangen hatte. Und ich fragte mich, was sie bedeuten würde. Denn bei den vielen Lehren, die sie uns allen gab, hatte sie mir doch nie erklärt, wie ich es anstellen könnte, das Eis in den Herzen der Menschen zu schmelzen – so, dass der Mensch lernen würde, sein Wissen weise anzuwenden. Heute reise ich als Schamane, Ältester, Heiler, Geschichtenerzähler und Weisheitshüter von einem Ende der Welt zum anderen. Überall
treffe ich die Ältesten der Völker, Stämme und Dörfer. Überall lasse ich mich nieder, um den
Festen der Grossmütter beizuwohnen. Ich staune, wie aufmerksam diese Menschen die Veränderungen der Welt verfolgen – und wie genau sie die spirituellen Bedürfnisse der
Menschheit wahrnehmen. Ich habe Orte dieser Welt besucht, an denen die Menschen sich selbst nicht mehr kennen – verloren in ihrem Überlebenskampf, verzweifelt auf der Suche nach einer Liebe, die sie ersehnen.

Ich bin in einem kleinen Dorf in Grönland aufgewachsen. Die Menschen dort waren – und
sind es noch heute – Fischer und Jäger. Wir lebten ganz so, wie unsere Grossväter es getan hatten – wir lebten und überlebten dank der Gaben der Natur. Es gab tatsächlich nichts anderes als das, was Mutter Natur uns gewährte. Das Volk der Kalaallit-Eskimos hat eine alte Prophezeiung: Wenn eines Tages das einst steinharte Grosse Eis so weich wird, dass du ihm keinen Abdruck deiner Hand einprägen kannst, dann wird das ein Zeichen dafür sein, dass Mutter Erde in grossem Aufruhr ist. Meine Mutter Aanaa Aanaqqii sagte, sie hätte nie gedacht, dass sich diese Prophezeiung zu ihren Lebzeiten erfüllen und sie Zeugin dieser Erfüllung werden würde. Und doch: Im Jahre 1963 kamen zwei Jäger meines Volkes in unser Dorf und berichteten von einem sonderbaren Phänomen: Ein Rinnsal tröpfelte von der mächtigen Eiskappe des Inlandeises herunter. Heute ist dieses Rinnsal ein Fluss – und der Ozean droht, uns alle zu verschlingen.

Wir können lernen, der Stimme dieses Gebirges aus Eis zu lauschen. Es spricht zu uns in einer Sprache aus lang vergangener Zeit – so alt ist die Sprache, dass niemand ihr Alter kennt. Ganz wie die Zeit selbst, die reglos vor uns steht – in Erwartung der Entscheidungen, die du treffen wirst und deren Pfad du folgen wirst. Es ist die Zeit gekommen zu lauschen – zu lauschen – immer mehr zu lauschen. Dem Ton deines eigenen Herzens zu lauschen. Die Qilaut, die Windtrommel der Eskimos, ist kreisförmig. Ein Kreis hat keinen Anfang und kein Ende. Diesem Kreis gehören wir alle an. Die ganze Menschheit ist eine Qilaut. Der EINE GROSSE – der Mann, der uns geschaffen hat – er allein hält ihren Griff.

Angaangaqs Botschaft in seinem Buch Schmelzt das Eis in euren Herzen! ist von bestechender Klarheit und Kraft. Es basiert auf Gesprächen zwischen ihm und dem Philosophen und Publizisten Dr. Christoph Quarch und geht mit tiefer Weisheit auf grosse Lebensthemen ein.



Angaangaq Angakkorsuaq ein ältester der Eskimo-Kalaallit aus Westgrönland, der von seinem Volk in den höchsten Rang des Schamanen berufen wurde. Er ist seit vielen Jahren als traditioneller Heiler tätig. Sein Einsatz für Umwelt und indigene Themen führte ihn in über 60 Länder dieser Welt, am 30. / 31. August wird er auch Basel wieder besuchen.


Dr. Christoph Quarch ist freischaffender Philosoph und Autor. 2010 hat er für Angaangaq das Buch "Schmelzt das Eis in euren Herzen" geschrieben und im Kösel-Verlag veröffentlicht. www.christophquarch.de

Vortrag und Seminarauschreibung finden Sie hier