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Somatische Intelligenz Der Weisheit des Körpers folgen
Bauchgefühl und Bekömmlichkeit statt Dogma und Diätpläne


Interview mit Thomas Frankenbach über sein neues Buch Somatische Intelligenz - hören was der Körper braucht von Reinhold Jordan

Dass die Art der Ernährung einer der Grundbausteine für Gesundheit und Wohlbefinden ist, weiss jeder, doch schon bei den Fragen «Wie ernähre ich mich richtig und welche Ernährungsform passt wirklich zu mir?» wird es kniffelig. Wer auf diese Fragen eine Antwort sucht, der sieht sich mit einer schier unüberschaubaren Fülle von Lehrmeinungen und Ratgebern konfrontiert. Ob vegan, vegetarisch oder makrobiotisch, ob Rohkost, Vollwertkost oder Trennkost, welches Ernährungskonzept ist denn nun das Richtige? In seinem neuen Buch Somatische Intelligenz – hören, was der Körper braucht führt der in Fulda lebende Ernährungs- und Gesundheitswissenschaftler, Fitnesscoach und Autor Thomas Frankenbach einen ganz neuen Aspekt in das «Dickicht der Lehrmeinungen» ein: die eigene Körperintelligenz. Denn so überzeugend, effektiv oder wissenschaftlich fundiert die unterschiedlichsten Ernährungskonzepte auch sein mögen, Frankenbach belegt, dass der eigene Körper am besten weiss, was ihm gut tut. Ausserdem sendet er zu jedem Zeitpunkt entsprechende Signale, um uns mitzuteilen, was er wirklich braucht. Denn jeder Mensch ist nicht nur ganz individuell, sondern hat je nach konkreter Lebenssituation oder Anforderung auch ganz spezielle Bedürfnisse. Um herauszufinden, welche diese sind, gibt es nur einen Weg, so der Autor: man muss wieder lernen in seinen eigenen Körper zu «lauschen»!

Herr Frankenbach, sollen wir jetzt alle unsere Ernährungsratgeber und Diätpläne in den Mülleimer werfen und nur noch in den eigenen Körper lauschen?

Es gibt keine einfachen Antworten, die für jeden zutreffend wären. Aber Sie können es für sich selbst herausfinden. Es ist aber schon so, dass in den vergangenen 40 Jahren jede Menge Diättheorien auf den Markt gekommen sind, die alle für sich beanspruchen, die beste Ernährungsform zu sein. Alleine in meiner Zeit als Kliniker habe ich fast ein Dutzend von Ernährungstrends kommen und gehen sehen. Auf Vollwert folgte Rohkost, dann die Trennkost und auf die Low- Carb- Episode mit viel tierischem Protein ist jetzt der Veganismus «in». Was diese Konzepte allerdings zu 99 Prozent ausser Acht lassen, ist die Frage, wie das, was wir da essen sollen, uns überhaupt bekommt. Dabei gibt es mittlerweile jede Menge Belege dafür, dass das wichtigste Kriterium für eine nachhaltig typgerechte Ernährung die individuell emp- Somatische Intelligenz Der Weisheit des Körpers folgen Bauchgefühl und Bekömmlichkeit statt Dogma und Diätpläne 81 fundene «Bekömmlichkeit» ist. Die Frage ist also, ob das, was wir essen, zu uns passt! Und das bringen wir nur in Erfahrung, indem wir den Signalen, die der Körper uns sendet, Beachtung schenken – und nicht dadurch, dass wir stur Diätpläne befolgen.

Welche Signale gibt uns denn der Körper?


Jede Menge. Sie müssen nur genau hinspüren! Worauf habe ich Lust und wogegen Abneigung? Wie bekommt mir das, was ich gerade gegessen habe? Fühle ich mich nach dem Essen gut oder eher nicht? Wie genau reagiert mein Körper auf bestimmte Nahrungsmittel? Dies können Sie lernen peu a peu herauszufinden, um so wirklich ein Gefühl dafür zu entwickeln, was Ihrem Körper bekommt.

Manchmal belügt man sich aber auch selbst, wenn es um das Essen geht, oder?

Sicher. Essgelüste und -gewohnheiten können viele Ursachen haben: Familiäre, kulturelle und emotionale. Manchmal handeln wir dadurch gegen den Körper, manchmal sogar auf krasse Weise. Aber es gibt eben auch unsere Somatische Intelligenz. Und die lässt sich regelrecht trainieren. In meinem Buch gibt es dazu eine Fülle an Übungen und Beispielen.

Viele werden in Ihrem Buch auch einen Begriff lesen, den sie so noch nie gehört haben: «Bauchhirn». Was genau ist es und wo befindet es sich?

Bauchhirn nennt man den Zusammenschluss von hunderten Millionen Nervenzellen aus Solar Plexus, Magen und Darm. Evolutionär ist es weit älter als unser Kopfhirn. Im Bauch sitzt damit eine Kommandozentrale, die uns in Kooperation mit unseren Sinnesorganen und unseren Emotionen oft unbewusst bei der Nahrungsauswahl behilflich ist. Sie teilt uns zugleich auch mit wie uns bestimmte Nahrungsmittel bekommen.

Es geht also darum, wieder seinem Bauchgefühl zu vertrauen?

Ja im Prinzip schon, denn das haben viele aufgrund der starken Reiztechnologie, die uns heute überflutet, mit Handy, Internet, Fernsehen und den vielen Stressfaktoren, denen wir ausgesetzt sind, verlernt. Aus der Forschung wissen wir heute: Je höher die Dichte an Aussenreizen, denen ein Mensch begegnet, desto schwerer fällt es ihm, «Innenschau» zu halten und desto weniger vermag er wahrzunehmen, welche Signale sein eigener Körper ihm sendet. Aber tatsächlich haben auch die sich ständig ändernden «Ernährungstrends» mit ihren oft widersprüchlichen Tipps und Ratschlägen dazu beigetragen, dass wir eher Theorien anderer als unserem eigenen Bauchgefühl vertrauen.

Zu viel Ratio auf Kosten der Intuition also?

Oftmals ja. Wir haben in den letzten 40 Jahren feinsäuberlich gelernt, unser Essen nach Zahlen auszuwählen. Nach Kalorien, Diäten, Kohlenhydrat- und Fettanteilen und immer öfter auch nach dem niedrigsten Preis. Mit dieser wachsenden Ratio haben wir gehörig Vertrauen in unsere Sinne eingebüsst, obwohl die evolutionär ja viel bewährter sind. Gerade die Fähigkeit, die Bekömmlichkeit unseres Essens zu beurteilen, wurde zunehmend vernachlässigt. So kam es, dass die Nahrungsauswahl immer mehr Kopf- und immer weniger Bauchsache geworden ist.

Wie sind Sie überhaupt diesem Thema der somatischen Intelligenz auf die Spur gekommen?

In meiner klinischen Arbeit kam ich irgendwann an einen Punkt, an dem ich angefangen habe, mit den Menschen zu üben, sich selbst und ihren Körper besser wahrzunehmen. Sie in ihrer Fähigkeit zur Eigenwahrnehmung zu fördern. Durch Selbsterfahrung, aber auch durch Wissensvermittlung darüber, dass es Somatische Intelligenz tatsächlich gibt. Das Ergebnis war, dass mir viele davon berichteten, wie gut ihnen das tat. Wie sie gelassener und inständiger wurden, körperlich harmonischer und wie sie so ihr natürliches Gespür für die richtige Nahrungsauswahl, aber auch für das, was sie sonst noch brauchen im Leben, verbessert haben. Daraus ist dann mit der Zeit ein Übungssystem entstanden.

Wie kann man sich Ihr Training vorstellen?

Oft gibt einen Unterschied zwischen dem, was wir wollen, und dem, was wir brauchen im Leben. Auch beim Essen. Und das können Sie herausfinden. Mit Übungen, die teils körperlich sind und zum Teil mental. Je besser wir lernen, die Signale des Körpers zu verstehen, desto besser können wir auf sie eingehen. Oft kommen wir dann von ganz allein darauf, was unser Körper braucht, und gehen dem bei entsprechendem Training auch irgendwann nach – ohne uns zwingen zu müssen, sondern indem wir mit unserem Körper zur Einsicht gelangen. Das ist viel, viel angenehmer, effektiver und intensiver, als allein über den Kopf zu arbeiten.


Thomas Frankenbach
ist 41 Jahre alt und lebt in Fulda. Er absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Krankenpfleger, studierte dann Ernährungswissenschaften an der Hochschule Fulda sowie psychosoziale, integrative und komplementäre Gesundheitswissenschaften am Interuniversitären Kolleg Graz. Es folgten Ausbildungen in klinischer Ernährungsberatung, Entspannungs- und Stressbewältigungsverfahren sowie Psychotherapie. Frankenbach ist Karatemeister mit internationaler Wettkampferfahrung, Meditationslehrer sowie ein deutschlandweit bekannter Fitnesscoach und Seminarleiter. Weltweit führende Spitzensportler vertrauen auf ihn – psychologisch wie auch in Eernährungsund Trainingsfragen. Seit 2005 leitet er den Fachbereich Ernährung und Bewegung in einer der traditionsreichsten Rehakliniken in Deutschland. In Basel hält er im September einen Vortrag und leitet ein Seminar.


Informationen zu seinem Vortrag und Seminarin Basel finden Sie hier