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Albert Hofmann und sein LSD

  Vor wenigen Wochen ist im AT Verlag das Buch «Albert Hofmann und sein LSD» von Dieter Hagenbach und Lucius Werthmüller erschienen. Lucius Werthmüller lernte Albert Hofmann schon als Kind kennen, da seine Eltern mit dem Entdecker des LSD befreundet waren – und blieb mit ihm bis an sein Lebensende verbunden. Werthmüller ist Stiftungsrat der von Dieter Hagenbach gegründeten Gaia Media Stiftung. Gemeinsam organisierten die beiden die internationalen Symposien «LSD – Sorgenkind und Wunderdroge», das die Stiftung 2006 anlässlich des 100. Geburtstags von Dr. Albert Hofmann in Basel veranstaltete, und das «Welt Psychedelik Forums» 2008. Nach Hofmanns Tod reifte der Entschluss, ihren gemeinsamen Freund und seine Entdeckung – der beide viele Impulse in ihrem Leben verdanken – mit einer Biografie verwoben mit einer Geschichte des LSD zu ehren. Im Folgenden finden Sie unsere Einführung, kurze Auszüge aus dem Vorwort von Stanislav Grof, dem grossen Pionier der LSD-Therapie und Begründer der transpersonalen Psychologie, zwei kurze Unterkapitel sowie ein paar Fotos aus dem mit über 500 Abbildungen illustrierten Buch.

«Der Gebrauch entheogener Drogen ist in allen Kulturen stets in einen religiös-zeremoniellen Rahmen eingebaut worden. Dann kann das Erlebnis zu dem werden, wonach der Mensch seit je im Tiefsten sucht, zur Unio mystica und der damit verbundenen Glückseligkeit. » Albert Hofmann

Einführung
«Nicht ich, das LSD wurde gewählt», meinte Albert Hofmann lapidar, als er 2007 im Alter von 101 Jahren von einer Jury der renommierten britischen Tageszeitung Guardian zum grössten lebenden Genie gewählt wurde. Kaum eine andere Entdeckung des 20. Jahrhunderts hat einen bedeutenderen Einfluss auf Wissenschaft, Gesellschaft und Kultur ausgeübt als die geheimnisvolle, unvergleichlich potente Substanz, die schon in Dosen von Millionstel Gramm eine tiefgreifende Veränderung des Bewusstseins hervorruft. Ihre psychedelische Wirkung hatte der Chemiker am 19. April 1943 bei einem Selbstversuch auf seiner legendären Fahrradfahrt erfahren. Dieser erste LSD-Trip veränderte sein Leben so grundlegend, wie später LSD dasjenige von Millionen Menschen auf der ganzen Welt in neue Bahnen gelenkt hat. Albert Hofmanns Biografie nimmt uns mit auf eine Reise durch das 20. Jahrhundert: Von seinen mystischen Naturerlebnissen als Kind in Baden, über sein Chemiestudium beim Nobelpreisträger Paul Karrer in Zürich, zu seiner Entdeckung des LSD und des Psilocybins bei der Sandoz in Basel, seinen abenteuerlichen Expeditionen und Reisen bis zu seinem langen Lebensabend, der geprägt ist von der Hinwendung zur Naturphilosophie und einem überaus reichen sozialen Leben. Aus seiner Erforschung der Mutterkornalkaloide gingen mehrere Medikamente hervor, die er quasi im Alleingang entwickelte, und die seinem ehemaligen Arbeitgeber bis heute Milliardenumsätze eingebracht haben. Auch wenn Albert Hofmann wegen der Umstrittenheit des LSD nie den Nobelpreis erhalten hat, ist er der bekannteste Chemiker des 20. Jahrhunderts und der einzige mit dem Status eines Popstars, wie die Blitzlichtgewitter bei seinen frenetisch bejubelten Auftritten am LSD-Symposium anlässlich seines 100. Geburtstags in Basel eindrücklich gezeigt haben. Das LSD ist nach seiner schicksalshaften Entdeckung über Jahrzehnte Gegenstand tausender klinischer Studien, aber auch obskurer Experimente der Geheimdienste und der Militärs. In den sechziger Jahren verlässt es die Labors und wird zum Treibstoff der in den USA beginnenden Jugend- und Hippiebewegung, die schliesslich die Welt nachhaltig verändert – ein Massenphänomen, das eine regelrechte Hysterie um das als «Teufelsdroge» bezeichnete LSD auslöst. Die Entwicklung der Computertechnologie wird genauso durch die kreativitätsfördernde Wirkung der psychedelischen Substanz beeinflusst, wie sie zu wegweisenden wissenschaftlichen Erkenntnissen und einem ganzheitlichen Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt führt. Sein Leben lang bleibt Albert Hofmann dem Molekül verbunden, das den Boden für innovative Therapieformen und eine neue Wertschätzung mystischer Zustände bereitete und ihn in Kontakt brachte mit Geistesgrössen wie Aldous Huxley, Ernst Jünger oder Karl Kerényi, mit unzähligen Wissenschaftlern, Künstlern und Exponenten der Gegenkultur. Immer glaubte er an sein «Sorgenkind», dem er das Potenzial einer Wunderdroge attestierte, und freute sich, als er im hohen Alter erleben durfte, dass das LSD wieder an Akzeptanz gewann. «Sie, Herr Dr. Hofmann, haben durch Ihre Forschung und Ihre Schriften dazu beigetragen, dass künstlerische, philosophische und religiöse Fragen in der Wissenschaftsdiskussion lebendig bleiben», schrieb ihm der damalige Schweizer Bundespräsident Moritz Leuenberger in seiner Gratulation zum 100. Geburtstag. Albert Hofmann – ein aussergewöhnlicher Mensch, Forscher und Mystiker, der sich seine Offenheit, Neugier und die Liebe zur lebendigen Schöpfung bis zum letzten Atemzug im Alter von 102 Jahren bewahrt hat.



Further, der Bus der Merry Pranksters mit Ken Kesey, dem Autor von «Einer flog über das Kuckucksnest». Das LSD trug massgeblich zur Entstehung der Hippiebewegung bei.

Aus dem Vorwort von Stanislav Grof
Es ist ein ausserordentliches Privileg und Vergnügen für mich, ein Vorwort für ein Buch zu schreiben, das das Leben und Werk Albert Hofmanns würdigt, einem hervorragenden Forscher und Wissenschaftler, den ich als meinen spirituellen Vater betrachte. Ich kann die tiefe Dankbarkeit kaum in Worte fassen, die ich ihm gegenüber empfinde für alles, was seine Entdeckungen nicht nur mir persönlich und beruflich gebracht haben, sondern auch unzähligen anderen Menschen, die die von ihm synthetisierten Substanzen verantwortungsvoll und mit dem nötigen Respekt, den diese aussergewöhnlichen Mittel verdienen, angewendet haben. (...) Ich konnte es kaum erwarten, selbst eine LSD-Erfahrung zu machen. Sobald ich mein Medizinstudium abgeschlossen hatte, meldete ich mich für eine Sitzung an. Professor Roubicek interessierte sich für Hirnstrommessungen und speziell für einen Vorgang, den man als das «Mitreissen» der Gehirnwellen bezeichnete. Er setzte seine Versuchspersonen den Lichtblitzen eines starken Stroboskops aus und untersuchte die Wirkung verschiedener Lichtfrequenzen auf die Gehirnwellen. Er wollte wissen, wie LSD diesen Prozess beeinflussen würde; die Teilnahme an diesem Experiment war die Voraussetzung für eine LSD-Sitzung unter seiner Obhut. Die kombinierte Wirkung von LSD und den Lichtblitzen löste bei mir eine überwältigende Erfahrung kosmischen Bewusstseins aus. Obwohl sie nur ein paar Stunden dauerte – und der bedeutungsvollste Teil nur etwa zehn Minuten –, bewirkte sie eine tiefgreifende persönliche Transformation und ein spirituelles Erwachen und führte mich beruflich in eine radikal andere Richtung als die, für die ich ausgebildet war. Sie beförderte mich in eine Richtung, der ich bis auf den heutigen Tag mit grösster Entschlossenheit gefolgt bin. Die Erforschung aussergewöhnlicher Bewusstseinszustände ist seither meine Leidenschaft, meine Berufung und mein Beruf. Heute, mehr als fünfzig Jahre später, sehe ich diese Erfahrung als eine Einweihung, vergleichbar mit jener, die Teilnehmern antiker Tod- und Wiedergeburtsmysterien ewährt wurde. Ich bin wie Albert der Meinung, dass es eine frappante Ähnlichkeit zwischen LSD und dem in den Mysterien von Eleusis verwendeten heiligen Trunk, dem «Kykeon», gibt. Alberts Hoffnung war, dass der verantwortungsvolle, rituelle Gebrauch von LSD eines Tages in die westliche Zivilisation integriert würde. Er glaubte, dass ein neues Eleusis für die heutige Menschheit einen ähnlichen spirituellen und kulturellen Nutzen haben könne, wie es im antiken Griechenland der Fall war. (...) Als eine Folge ihrer Experimente stellten viele Fachleute fest, dass das gängige Modell, das die Psyche auf das Leben nach der Geburt und das Freudsche individuelle Unbewusste begrenzte, oberflächlich und unzureichend ist. Das aus dieser Forschung entstandene entstandene neue Bild der Psyche fügte zwei grosse transbiografische Bereiche hinzu – die vorgeburtliche Phase, die eng verbunden ist mit der Erinnerung an die biologische Geburt, und die transpersonale Ebene, die unter anderem die historischen und archetypischen Bereiche des kollektiven Unbewussten enthält, wie sie von C.G. Jung beschrieben wurden. Frühe Experimente mit LSD zeigten, dass die Wurzeln emotionaler und psychosomatischer Störungen nicht auf traumatische Erinnerungen im Säuglingsalter und während der Kindheit beschränkt sind, wie traditionelle Psychiater annahmen, sondern viel tiefer in die Psyche reichten – in vorgeburtliche und transpersonale Bereiche. Befunde psychedelischer Psychotherapeuten enthüllten das einmalige Potenzial von LSD als wirkungsvolles Mittel, um den psychotherapeutischen Prozess zu vertiefen und zu beschleunigen. Mit LSD als Katalysator wurde es möglich, die Anwendung der Psychotherapie auf Kategorien von Patienten auszuweiten, die bis dahin nur schwer behandelt werden konnten – Menschen mit abweichendem Sexualverhalten, Alkoholiker, Drogensüchtige und rückfällige Straftäter. Besonders wertvoll und vielversprechend waren die frühen Bemühungen, die LSD-Psychotherapie in der Behandlung von Krebspatienten im Endstadium anzuwenden. Forschungen mit diesen schwerkranken Menschen zeigten, dass LSD starke Schmerzen zu lindern vermochte, selbst bei Patienten, die nicht auf Narkotika reagiert hatten. Bei einem Grossteil dieser Patienten war es zudem möglich, schwerwiegende emotionale und psychosomatische Symptome wie Depressionen, Spannungszustände und Schlaflosigkeit zu lindern oder sogar zu heilen, die Angst vor dem Tod zu mildern, die Lebensqualität während ihrer noch verbleibenden Zeit zu verbesern und den Sterbevorgang positiv zu gestalten.


Das Logo der Konferenz «LSD – Sorgenkind und Wunderdroge» 2006 in Basel

«Gäbe es in der Schweiz einen Rat der Weisen, würden Sie ganz bestimmt dazu gehören.»
Moritz Leuenberger, ehemaliger Schweizer Bundespräsident 2006 zu Albert Hofmann

Auszug aus dem Kapitel Spirituelle Dimensionen
Werkzeug des Geistes Selbst unter den oft schwierigen, einer positiven Erfahrung nicht förderlichen Bedingungen der frühen Versuche mit LSD erleben viele Probanden Zustände, die eine grosse Ähnlichkeit mit Schilderungen von Mystikern und Heiligen aufweisen. Die Möglichkeit, solche Erfahrungen mit pharmakologischen Mitteln zu induzieren, löst eine heftige Debatte über den Wert und die Echtheit dieser chemisch provozierten «Instant-Mystik» aus. Kritiker postulieren, dass LSD und verwandte Stoffe eine unerlaubte, nicht legitime Abkürzung darstellen und Erfahrungen stimulieren, für die die Erlebenden nicht bereit sind. Der Vergleich mit der Art des Reisens in der äusseren Welt drängt sich auf. Wir benutzen moderne Verkehrsmittel, um innerhalb von Stunden in fremde Erdteile zu reisen, ohne diese schnelle Form der Fortbewegung als unerlaubte Abkürzung zu empfinden. Stanislav Grof vergleicht die Bedeutung des LSD für die Psychiatrie mit der des Mikroskops für die Biologie oder des Teleskops für die Astronomie. Die technischen Hilfsmittel erschaffen die Mikround Makrowelten nicht, sondern verschaffen uns «nur» die Möglichkeit, sie in vorher nicht gekannter Weise zu beobachten und zu untersuchen, gleich wie das LSD die ungewöhnlichen geistig-seelischen Phänomene nicht kreiert, sondern lediglich in der Psyche vorhandene Prozesse ans Licht bringt, die sonst kaum zugänglich sind. Timothy Leary bringt es auf den Punkt: «Drogen als Werkzeuge ablehnen wäre so, als würde man das Mikroskop ablehnen, weil es das Sehen so leicht macht. Ich bin der Meinung, die Menschen verdienen jede Offenbarung, die sie bekommen können.» Buddhisten und Psychedelika Im Sommer 1996 widmet sich die amerikanische buddhistische Zeitschrift Tricycle dem Thema «Psychedelika – Unterstützung oder Behinderung?» Auf ihre Umfrage zum Konsum von Psychedelika melden sich rund 1500 Leser, von denen sich 89 Prozent als praktizierende Buddhisten bezeichnen. Von diesen geben 83 Prozent an, Psychedelika konsumiert zu haben. Über 40 Prozent sagen, dass LSD oder Meskalin ihr Interesse am Buddhismus geweckt habe, 24 Prozent konsumieren nach wie vor Psychedelika. Die meisten der Befragten geben an, dass sie keine Drogen mehr nehmen, 71 Prozent glauben, dass die Anwendung von Psychedelika «einen flüchtigen Einblick in die Wirklichkeit dessen gewährt, wohin die buddhistische Praxis führt». Die Hälfte sieht keinen grundlegenden Konflikt zwischen Buddhismus und Psychedelika, während die andere Hälfte der Überzeugung ist, dass Drogenkonsum und Buddhismus nicht zusammenpassen. Eine andere Umfrage ein paar Jahre später ergibt, dass 62 Prozent der westlichen Buddhisten Psychedelika konsumiert haben, von diesen praktizieren 80 Prozent den Tibetischen Buddhismus. Offensichtlich sind psychedelische Erfahrungen bei Buddhisten aus dem Westen ein weit verbreiteter Türöffner zur Spiritualität, und es existiert eine Subkultur amerikanischer Buddhisten, die weiterhin Psychedelika konsumieren.


«Meine LSD-Trips zählen zu den zwei oder drei wichtigsten Dingen, die ich je in meinem Leben unternommen habe.» Steve Jobs


Albert Hofmann begrüsst den Dalai Lama, Tagung der International Transpersonal Association 1983 in Davos


Mehr Informationen und Buchbestellung über www.alberthofmannundseinlsd.ch

Albert Hofmann und sein LSD
von Dieter Hagenbach und Lucius Werthmüller
Vorwort von Stanislav Grof
406 Seiten, über 500 Fotos und Illustrationen
gebunden mit Schutzumschlag, 16.5 x 22.5 cm
AT Verlag 2011, ISBN 978-3-03800-530-8
CHF 49.90

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